3 Tage Amsterdam mit Kindern und Regen – Teil 2

So., 26.02.2017

Am Sonntag war dann das Wetter in Amsterdam noch schlechter als am Samstag, es fisselte fast den ganzen Tag. Also, was tun? Da uns von unseren Vermietern das Museum NeMo, ein großes Technologie- und Wissenschaftsmuseum für die ganze Familie ans Herz gelegt wurde und wir auch schon im Reiseführer davon gelesen und es uns für Regentage vorgemerkt hatten, beschlossen wir, es zu wagen, trotz Sonntag und sicher hohem Besucherandrang. Aber am Montag hätte es geschlossen gehabt und am Dienstag mussten wir ja schon wieder heim fahren.

Vom Hauptbahnhof muss man etwa 15 Minuten laufen, nach links und dann immer geradeaus, bis man auf die moderne  weiße Fußgängerbrücke stößt, auf der man die Halbinsel, auf der das NEMO liegt, erreicht. Das Gebäude ist schon von weitem sichtbar, es sieht aus wie ein riesiges Schiff.

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Von Gamekeeper in der Wikipedia auf Niederländisch – Übertragen aus nl.wikipedia nach Commons., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1693830

Wie erwartet war es sehr voll, aber da das Museum sehr groß ist und es unzählige Möglichkeiten gibt, sich zu betätigen, war es O.K. Anstehen musste man nirgends lange. Im 1. Stock gibt es zahlreiche einfache Experimente, die von den Besuchern selbst durchgeführt werden können. Es ist wie ein riesiger Abenteuerspielplatz für Kinder und auch für Erwachsene.

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Mehrmals am Tag gibt es eine Vorführung einer Kettenreaktion, ein kleiner Anstoß zu Beginn, die Energie wird minutenlang auf phantasievolle Weise weiter gegeben bis am Ende eine kleine Rakete zündet. Der Energieerhaltungssatz kreativ und einprägsam demonstriert:

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Bild aus dem Netz:

http://www.amsterdam-now.com/for-children/2845-nemo-science-centre.html

Im zweiten Stock sind ebenfalls viele Experimente und Spielereien, riesige Seifenblasen kann man herstellen, Wasserspielplätze locken zum Staudammbau, eine Bällefabrik demonstriert spielerisch die Vorgänge in einer echten vollautomatischen Produktion  und vieles mehr. Zusätztlich gibt es eine Ausstellung technischer Alltagsgegenstände aus allen Epochen und ganz oben geht es dann mit speziellen Bereichen weiter, z.B. wurde eine Ecke von der ESA gestaltet, es gibt ein großes 3D-Kino, wo wir einen Film über unser Planetensystem angesehen haben, der auch auf niederländisch gut zu verstehen war.

Unterm Dach findet man ein großes Selbstbedienungsrestaurant, das übrigens auch für Besucher von außen offen ist. Man kann auch von dort aus an einer kleinen Kasse ins Museum einchecken. Wer bereits eine Karte hat muss sie nur beim Wiedereintritt in den Museumsbereich noch mal vorzeigen.

Sehr schön ist auch der Ausblick von oben, im Sommer kann man auch die Dachterrasse genießen, auf der die Ausstellung weiter geht.

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Wir, vor allem natürlich die Kinder, haben den Tag im Museum sehr genossen, der eine hat in einem Workshop super Papierflieger gebaut und Staudämme am Indoor-Wasserspielplatz konstruiert, der andere liebte die ESA-Ecke und technische Spielereien. Der Altersunterschied machte sich da doch noch ein wenig bemerkbar. Aber es ist eben für alle Altersstufen was dabei, selbst für die Kleinsten.

Leider habe ich kaum Fotos gemacht, aber HIER findet man jede Menge von anderen Urhebern.

Tag 3, Montag, 27.02.2017

Für den dritten und letzten Tag hatte ich mir gewünscht, das Van Gogh Museum zu besuchen, ich wollte einmal vor einem der berühmten Sonnenblumenbilder dieses berühmten Malers stehen.

Am Bahnhof angekommen nahmen wir trotz Regen den direkten Fußweg durch die Innenstadt und den Grachtengürtel, dadurch sahen wir auch noch einige berühmte Stellen in Amsterdam im Vorbeigehen wie den größten Platz der Stadt, den Dam mit dem Königlichen Palast, dem Wachsfigurenkabinett von Madame Tussauds und der Neuwe Kerk. Das alles werden wir bei unserem nächsten Amsterdambesuch sicher näher betrachten, heute regnete es leider ziemlich, so machte ich nicht einmal ein Foto.

Weiter ging es durch die Straße Rokin bis zum Munttoren, wo wir am ersten Tag bereits waren. Der Heinen Delfts Blauw – Laden wurde gerade leer geräumt, ich habe schon davon geschrieben. Vielleicht wurde er nur renoviert, jedenfalls ist er auf einer Liste mit Heinen Delfts Blauw-Läden in Amtserdam noch aufgeführt.

Vom Munttoren aus biegen wir in die breite Vijzelstraat ein bis sie auf die Herengracht stößt und biegen nach der Überquerung des Kanals rechts ein. Gegenüber liegt das Katzenkabinett, dem wir am ersten Tag einen Besuch abgestattet hatten. Wo von der Herengracht die Nieuwe Spiegelstraat nach links abzweigt, folgen wir ihr, immer geradeaus und stehen bald vor dem beeindruckenden Gebäude des Rijksmuseums.

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Leider müssen wir auch den Besuch dieses sicher sehr interessanten Museums auf den nächsten Amsterdam-Besuch verschieben, hier gäbe es neben Rembrandt Meisterwerk „Die Nachtwache“ noch vieles mehr zu sehen. Die Schlangen vor den Kassen des mit Abstand meistbesuchten Museums von Amsterdam sind allerdings auch heute schon immens lang, wie soll das erst in der Hauptsaison aussehen? Tickets im Vorverkauf zu erwerben scheint mir hierfür empfehlenswert zu sein.

Wir durchqueren das Gebäude und gelangen auf der anderen Seite in einen großen Park. Hier findet man weitere Museen, gleich zu Beginn gibt es einen Shop mit Kartenverkauf für das Van Gogh Museum, das von hier auch schon zu sehen ist. Wir stellen uns an und ergattern Karten für 15 Uhr. Das bedeutet, noch drei Stunden Wartezeit im Regen! Die Cafés im Umkreis sind alle überfüllt, wir gehen noch ein Stück weiter, ganz durch den Park hindurch, am Van Gogh Museum und dem Stedelijk Museum vorbei, das den modernen Künsten gewidmet ist.

Auf der Van Baerlestraat, Ecke Wilhelmsparkweg finden wir endlich ein Lokal, das Small Talk, das noch Platz für uns hat, super gemütlich eingerichtet ist und noch dazu sehr leckere französisch-dänische Küche zu bieten hat. Jeder findet etwas, ich mache eine Ausnahme von meiner veganenen Lebensweise, denn außer einem Salat hätte ich hier nichts gefunden. Die französische Zwiebelsuppe schmeckt mir ganz ausgezeichnet, der Parmesan oben drauf ist die Ausnahme wert! Die Kinder teilen sich Champignon Omelett und Pfannkuchen, der Papa isst ein üppiges Käsebaguette. Wir bleiben fast zwei Stunden an diesem gemütlichen Ort und so ist die Wartezeit schon fast überbrückt, als wir, nun bei starkem Regen, wieder heraus kommen. Die letzte Stunde verbringen wir im großen, öffentlich zugänglichen Buchladen des Stedelijk Museums, da ist es trocken und man kann alle Bücher in Ruhe anschauen, dafür stehen sogar Tische und Stühle bereit. Auch so manches Mitbringsel und außergewöhnliche Designerstücke kann man hier erstehen, es gibt schlimmere Aufenthaltsorte zum Warten.

Pünktlich um 15 Uhr lässt man uns dann ohne großes Anstehen in den modernen Teil des Van Gogh-Museums ein, der die Eingangshalle überdacht. Über Rolltreppen erreicht man den eigentlichen Museumstrakt, der im älteren Gebäude nebenan untergebracht ist.

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Das Van Gogh Museum ist durchaus für Kinder interessant und auch gedacht, sie zahlen sogar bis 18 Jahre keinen Eintritt! Bis 12 Jahre erhalten sie auch noch kostenlos einen Audioguide in der Muttersprache und ab 12 Jahren zahlt man nur 3 EUR dafür. So haben sich unsere Kinder jeweils ganz selbständig ein Gerät organisiert, während wir die Garderobe abgaben. Sie kommen prima zurecht und es macht unserem Großen keine Probleme, sich auf englisch zu verständigen. Als Belohnung sind sie nun die Führer im Museum und wir folgen dem Highlights-Rundgang, den der Audioguide vorschlägt. Die wichtigsten Werke werden hier kurz erläutert und Van Goghs Lebensgeschichte wird ganz nebenbei auch noch erzählt. So erfahren wir, frei nacherzählt von den Kindern, die „Sache mit dem Ohr“. Nach einem schlimmen Streit mit seinem Freund Gaugin, der ihn überzeugen wollte, weniger realistisch zu malen und mehr Phantasien und Träume ins seine Bilder einfließen zu lassen, wie er selbst, hat er sich vor Wut selbst das Ohr abgeschnitten. Der Wahnsinn, der hier schon seinen Ausdruck fand, hat ihn wenig später auch dazu veranlasst, sich selbst in eine psychiatrische Klinik einzuweisen. Woran er allerdings schon mit 35 Jahren schließlich genau gestorben ist, wurde nicht mitgeteilt. Sicher hat seine Lebensweise und seine Vorliebe für Prostituierte und Absinth etwas damit zu tun gehabt. Beeindruckend, was der Meister in nur wenigen Jahren, die ihm zu malen vergönnt waren an Bildern für die Ewigkeit schaffen konnte, sehr viele Original-Bilder sind im Museum zu sehen, z.B. eins der Sonnenblumenbilder, viele Selbstportaits und Naturbilder und das berühmte Kartoffelesser-Bild.

Hier findet man einen Überblick über die bekanntesten Werke im Museum.

Wir werden schließlich schon um 17.30 aus dem Museum geworfen, es schließt nur Freitags und Samstags später, da kann man auch abends bis 22 Uhr und mit musikalischer Untermalung umherwandeln.

Doch unseren Rundgang haben wir gerade so geschafft, dabei noch viele Bilder daneben und dazwischen gesehen, auch von Gaugin, Monet und anderen Zeitgenossen Van Goghs. Zufrieden und mit wieder mal schmerzenden Füßen verlassen wir das Museum und werden von der Abendsonne überrascht, die durch die dunklen Wolken gebrochen ist und die Gebäude ganz wunderbar beleuchtet, so dass ich nun doch noch ein paar Bilder zeigen kann:

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Das Rijksmuseum vom Museumsplein – Park aus
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Das Van Gogh Museum im Park Museumsplein
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Das Rijksmuseum in Amserdam, Rückseite
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Viel fotografierte Inschrift vor dem Rijksmuseum
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Das Rijksmuseum durch einen Bogen des „m“ fotografiert
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Das Gebäude des Rijksmuseums kann man zu Fuß oder mit dem Fahrrad durchqueren.

Leider geht unser letzter Wunsch, eine Bootsfahrt durch die Grachten zurück zum Bahnhof nicht in Erfüllung, das Boot ist gerade weg und die Preise für vier Personen sind dann doch ein wenig zu hoch für unser verbliebenes Budget. Meine Empfehlung: Über die Amsterdam-Card nachdenken, jedenfalls wenn man viele Museen besichtigen will. Im Preis ist auch eine einstündige Grachtenrundfahrt enthalten. Leider konnte ich mich mit meinem Vorschlag uns die zu zu legen nicht durchsetzen, ich denke, es hätte sich gelohnt. Aber wenn ich wie und mit wem auch immer wieder komme, werde ich daran denken!

Hier habe ich eine Übersicht gefunden, es gibt neben der CityCard auch noch andere Rabattkarten, auch eine Museumscard.

Also laufen wir zurück zum Bahnhof, hier ein paar Bilder von unterwegs.

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Ab dem Munttoren gehen wir durch die Fußgängerzone parallel zu den Straßen Rokin und Damrak, hier gibt es zahlreiche Boutiquen und Läden, sogar einen Dogo Store. Ich liebe diese bunten, künstlerisch gestalteten Schuhe, die noch dazu vegan sind. Inzwischen gibt es auch Taschen und andere Accessoires, ja soger Kleidung in diesem Stil.  Ich habe das alles bisher nur online gesehen, besitze bisher nur ein einziges Paar Schuhe von Dogo. Leider ist die Einkaufsgeduld meines Mannes an diesem Abend nicht mehr geeignet um mir mit Freude die Zeit zu nehmen, ein weiteres Paar zu erstehen.

Dieses Schuhgeschäft schaffte es auf ein Foto wegen des hübschen Blumenschmucks davor:

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Schließlich gingen wir durch eine Passage wieder hinüber in die Damrak, völlig überrascht und meinerseits begeistert über deren Gestaltung mit feinstem Mosaik:

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Man erreicht die Damrak in Höhe des Börsengebäudes, hier im Bild:

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Auf der Damrak Richtung Bahnhof kommt man noch an der berühmten Körperwelten-Ausstellung vorbei – naja, Geschmacksache, zusammen mit den Kindern würde ich mir das nicht ansehen wollen – grundsätzlich aber schon, aus künstlerischen Gründen und weil ich mich für die Anatomie des Menschen interessiere – schließlich bin ich u.a. Ergotherapeutin und musste all diese Muskeln, Knochen und Gelenke schon auswendig lernen. Es würde mich auch interessieren, wie ich energetisch auf sowas reagiere, ich bin sehr feinfühlig, aber auch sehr interessiert an Neuem und offen für Einzigartiges, was hier definitiv vorliegt.

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Eine letzte Einkehr im MAOZ, der marokkanischen Fallafelbude, wo es super leckere vegetarische oder vegane Fallafelbrote gibt, auf Wunsch sogar Vollkorn, rundet den Abend ab und wir begeben uns ein letztes Mal zum Bahnhof, der an diesem klaren Abend im Dunkelwerden, zur „Blauen Stunde“ ein tolles Fotomotiv abgibt, ebenso wie der Blick vom Bahnhofsvorfeld aus auf die Stadt und die Hafenregion.

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Mein Amsterdam-Fazit:

  • eine besondere, reizvolle Stadt, so ganz anders als alle Städte, die ich kenne
  • sehr hohe Dichte an Museen, also absolut zu jeder Jahreszeit zum Besuchen geeignet
  • für Kinder sehr unterhaltsam, wenn diese ein wenig offen sind für Kulturelles. Unsere waren seit Rom zum ersten Mal wieder total zufrieden mit einem Städtetrip und das ist für uns als Eltern das Wichtigste. Nicht mal Fußschmerzen oder Gewaltmärsche durch den Regen haben der guten Laune geschadet.
  • nicht besonders Deutsch-freundlich, aber mit ein wenig Englisch kommt man sehr gut zurecht. Deutsche Erklärungen oder Beschriftungen findet man in den Museen nicht, höchstens ab und zu einen Audioguide auf deutsch.
  • unbedingt im Frühjahr oder Sommer wieder besuchen!!!!

Was im Leben zählt ist nicht das, was man auf dem Konto hat, sondern die Eindrücke, die man im Herzen trägt und die Freude, die man mit seinen Liebsten teilt. (A. Spielmann)

Das Leben ist bunt, bis zum nächsten Blogbeitrag, Annette

(P.S. als nächster Beitrag im Reiseblog folgt bald der letzte Teil unserer Dändemarkreise im Sommer 2016, unsere Mallorcareise aus dem Herbst 2016 sowei unser Pragtrip über Silvester 2016/17)


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