Mit dem Wohnmobil in Ligurien (Cinque Terrae) und der Toskana, Ostern 2012

Hier kommt der nächste Reisebericht, ursprünglich veröffentlicht auf meinem alten Blog „Freiheitaufvierraedern.blogspot“. Zum „Umziehen“ hab ich einfach die HTML-Version des alten Blogs kopiert und hier wieder in den HTML-Bereich im Beitragsfeld eingefügt. Klappt problemlos.

Abreisetag: Fr., 30.3.2012
Gegen 15 Uhr schaffen wir den Abflug und fahren bei sonnigen Wetter bis nach Bad Bellingen im Oberrheingraben südlich von Freiburg, wo wir auf dem Wohnmobilstellplatz am Kurpark und am Thermalbad übernachten. (ca. 15 EUR pro Nacht). Dieser Platz ist uns schon richtig vertraut, wir haben dort schon dreimal übernachtet. Der Park hat einen superschönen Spielplatz, so dass auch die Kinder diesen Übernachtungsort zu schätzen wissen. Der Oberrheingraben macht seinem Ruf als wärmste Region Deutschlands alle Ehre und wir genießen die Blütenpracht, die rosa Wolken der blühenden Mandelbäume und die über und über goldgelb leuchtenden Forsythien sowie die schön angelegten Rabatten voller Frühlingsblumen. Neuerdings gibt es direkt neben dem Platz auch einen Rewe, so dass wir unseren Urlaubsproviant nochmal aufstocken können und morgens mal eben frische Brötchen holen können.
Sa, 31.3.2012
An diesem Tag schaffen wir dann die ganze Strecke zu unserem ersten Urlaubsziel, die Ligurische Küste südlich von Genua. Wir starten gegen 9.30, über die Grenze bei Basel geht es hinein in die Schweiz, auf der schönen Autobahnstrecke am Vierwaldstätter See vorbei. Mittagspause machen wir auf der letzen Raststation vor dem Gotthart-Tunnel. – Der Osterhase war offensichtlich auch schon hier:
 Vor dem Tunnel stehen wir dieses Jahr erstmals etwa eine Stunde im Stau, wir fahren zum ersten Mal zu Schulferienbeginn hier entlang – sonst geht es mit dem Verkehr, aber vor dem Tunnel merkt man es dann doch… die 17 Kilometer durch den Tunnel fahre ich erstmals am Steuer – man soll sich ja mit seinen Ängsten konfrontieren 😉 – ich muss das erwähnen, weil ich richtig stolz darauf bin – wie viele andere Ängste ist meine „Tunnelphobie“ wie weggeblasen, es ist wirklich erstaunlich.
Die Umfahrung von Mailand ist dieses Jahr (nach Fahrerwechsel) dann auch überhaupt kein Problem, Frau Navi kennt sich auch in Italien aus und der Verkehr ist O.K. Es ist Wochenende und der Berufsverkehr vielleicht nicht so stark wie vor drei Jahren…
Die landschaftlich wunderschöne Strecke auf den letzten 1 1/2 Stunden zwischen Mailand und Genua ist uns noch von unserer Korsikareise vor 3 Jahren in bester Erinnerung, damals fuhren wir sie morgens, dieses Mal gegen Abend – Beide Male hattten ihre eigenen Reize –
Es ist schon nach 18 Uhr, als wir die Küste erreichen. Wir entscheiden uns für einen Campingplatz an der Küste bei Moneglia, etwas nördlich der berühmten Cinque Terrae, die wir kennenlernen wollen. Es ist der einzige Platz weit und breit, der direkt am Meer liegt und er ist recht kurios: Schon die Anfahrt: Die Zufahrt zweigt aus einem sehr schmalen, nur einspurig zu befahrenden Küstentunnel ab, durch den man hier mehrere km fahren muss, um von Ort zu Ort zu kommen. Aber Achtung: Es gibt keine Vorankündigung, plötzlich ist rechts ein Loch im Tunnel, der Wegweiser ist auf der linken Seite gegenüber angebracht und wenn man nicht sofort reagiert, ist man schwupps, so wie wir, vorbei gefahren. Dann muss man in Moneglia wenden und wenn man Pech hat noch länger als 10 min. im Autostau vor der Tunnelampel warten, denn der ist ja einspurig. Jede Ampelphase dauert 10 Minuten.
Kaum tauchen wir aus dem Tunnel auf, werden wir schon in Empfang genommen und von einer wild gestikulierenden Frau in die richtige Richtung gewunken – steht die da den ganzen Tag?? Oder haben die eine Kamera oder einen Geheimspiegel? Jedenfalls ist die Dame sehr nett und spricht gut deutsch, wir checken ein und suchen uns einen Platz. Der kleine Platz besteht aus zwei „Emporen“, die in den steilen Felshang gehauen zu sein scheinen, die untere ist direkt am Meer und wir ergattern noch ein Plätzchen – der hintere Teil wird gerade renoviert, so können hier unten nur wenige Wohnmobile stehen.
Es gibt hier zwar keinen klassischen Strand, aber das Felsenklettern und das Steine-ins-Meer-werfen macht den Kindern trotzdem Spaß. Der Blick über die Bucht hinüber nach Moneglia ist wunderschön und es ist nicht kalt, so sitze ich an diesem Abend noch lange in meinem Stuhl vor dem Womo und genieße den Blick und das sanfte Meeresrauschen, schaue den angelnden Womo-Nachbarn zu, während der an einer Migräne leidende Fahrer das Womo-Innere vorzieht.
So., 1.4.2012

Morgens weckt uns die Sonne, aus dem Fenster können wir sehen, dass die Angler schon wieder ihre Plätze eingenommen haben und beobachten Harpunentaucher, die schon nach Beute ausschwimmen.

Unser geschütztes Essplätzchen zwischen großen Felsblöcken, die wohl noch im Wasser versenkt werden sollen, um den Campingplatz nach hinten zu erweitern dient uns noch zum Mittagessen, dann brechen wir auf dem „Fußweg“ nach Moneglia auf, denn im Tunnel ist es verboten, zu laufen oder mit dem Fahrrad zu fahren, man kommt also nur mit dem Womo weg oder muss halt über den Strand mehr klettern als laufen… ist für uns natürlich kein Problem, aber mit kleineren Kindern, Badelatschen oder Gehbehinderung keinesfalls zu empfehlen!

Der Blick zurück offenbart die „besondere“ Lage unseres Campingplatzes noch mal sehr schön, man erkennt nur an den Wohnmobilen, dass es sich um einen solchen handelt:

Nach der Balancier- und Kletterpartie über die Steine und den Strand gelangen wir zu den ersten Häusern von Moneglia – über eine Felsnase, vorbei an einem weiteren, noch geschlossenen Campingplatz hoch über dem Meer führt nun ein schön angelegter Treppenweg direkt zum Strand des Örtchens:

Wir essen unser erstes Urlaubseis im Ort, suchen schon mal die Bahnstation auf um Fahrpläne und Infos für die morgige Unternehmung zu bekommen und natürlich ist bei dem Wetter ein Nachmittag am Strand die beste Beschäftigung für einem ersten Urlaubstag! Moneglia ist ein hübsches Urlaubsstädtchen, nicht so überlaufen wie die Cinque Terrae selbst, es gefällt uns recht gut! Und als Ausgangsort für einen Besuch der berühmten Fünf ist es ideal, weil hier der Zug recht zentral hält und es nur etwa 15 Minuten Fahrt sind bis nach Monterosso, dem nördlichsten der fünf Küstenorte, die mit Cinque Terrae bezeichnet werden.

Mo., 2.4.2012

Vom Campingplatz aus sind es inklusive des Weges am Strand entlang etwa 30 Minuten bis zum Bahnhof und so starten wir am nächsten Morgen zu unserem ersten Ausflug. Wir wollen bis zum Küstenort Levanto mit dem Zug fahren und von dort aus hoch über dem Meer auf einem Wanderweg zum ersten Cinque Terrae-Ort Monterosso laufen. Die Strecke ist mit etwa 2 Stunden Wanderzeit angegeben, das schien uns nicht zu viel! Aber der Weg hat es in sich, es geht bis ca. 350 m ü NN hoch und wieder runter und es ist an diesem Tag recht warm. Ich war jedenfalls froh über mein Saar-Hunsrück-Steig- Wandertraining, das ich in den Wochen vor dem Urlaub betrieben habe.

Aus dem Ort Levanto heraus geht man erst mal steil bergan auf einem Treppenweg, vorbei an Villen und Ferienhäuschen.

Besonders angetan hat es mir eine B&B-Pension in besonderer Lage, aber nicht nur deshalb, sondern auch wegen der liebevollen künstlerischen Gestaltung sowohl der Häuser als auch der Gartenanlagen. Hier irgendwann mal wenigstens eine Nacht zu verbringen, das wäre ein Traum! Da würde ich auch den etwas mühsamen Weg in Kauf nehmen, denn mit dem Auto kann man hier nicht ranfahren. Geistesgegenwärtig habe ich die Tafel am Eingang fotographiert – mit Web-Adresse!

Hier aber die Eindrücke:

 

 

 

 

 

Der Weg führt permanent bergauf, zwischendurch sogar mal wieder einige Höhenmeter bergab, aber der endgültige Abstieg nach Monterosso ist noch lange nicht erreicht – so langsam läßt die Bebauung nach und wir gelangen in einen Wald und anschließend müssen wir noch hoch über dem Meer lange und der Sonne ausgesetzt immer etwas bergan laufen, bis sich endlich, wie als Belohnung und nun wirlich herbei gesehnt, der Blick nach Monterosse hinunter auf tut. Wir sind nun bei fast 350 m über NN. angelangt.

Eindrücke des Weges:

 

 

Der anschließende Abstieg nach Monterossoist, wie das nächste Bild gut vermittelt,  steil, aber durch einen Treppenweg gut zu gehen, die Kinder hüpfen mehr bergab als sie gehen und auch mein Knie hält durch! (Wandertraining sei dank ;-))

Der Ort kommt langsam näher und endlich unten angekommen, entern wir die erste Eisdiele und ich entdecke – in meinem zigsten Italienurlaub – einen Hochgenuß: Caffé con gelato, einen kleinen starken italienischen Kaffee mit einer Kugel Vanilleeis drin – ohne Sahne und schnickschnack, wie man ihn bei uns bekommt – genau das richtige für mich und eine kleine Sünde wert – nicht nur an diesem Tag!

Auf der Rückfahrt nach Moneglia mit dem Zug tut es gut, ein wenig die Augen zu schließen – da die Strecke fast nur durch Tunnels führt, verpaßt man sowieso nichts – und sich innerlich auf den Heim-Strandweg einzustellen, der ja auch noch ansteht. Vorher gab es aber noch ein Hindernis: Wir mußten einkaufen, dringend! Und bis wir den einzigen kleinen Lebensmittelmarkt im Gassengewirr von  Moneglia gefunden hatten, zu dem uns schließlich zwei nette italienische Mamas geleiteten, verging wieder einige Zeit. Bepackt mit Tüten und Grillsachen „schleppten“ wir uns im wahrsten Sinne des Wortes zurück und belohnten uns mit dem ersten Grillabend des Urlaubs – das war ein Genuß!

Di., 3.4.2012

Schon morgens sagte mir mein Gefühl, dass ich noch nicht wirklich wieder fit war – trotzdem wollten wir auch heute wieder los. Die Kinder schienen erholt, spielten schon wieder mit ihren neu gewonnenen Freunden Lucca und Pauline, aber als wir los gingen, wirkte unser Kleiner müde und lustlos und dackelte hinterher. Wir ignorierten es und dachten, das gibt sich wieder – hat er öfter mal – aber schon am Bahnhof jammerte er über Übelkeit. Im Zug, in den wir mit Ziel Riomaggiore (der südlichste der Fünf) trotzdem stiegen, schlief er sogar ein und als wir ausstiegen wollte er getragen werden. Tja – zu allem Überfluss begann es auch noch zu regnen und wir sahen ein, dass wir die Wanderung von Dorf zu Dorf, die wir heute vor hatten wohl knicken konnten… Wir sahen uns noch Riomaggiore an, das gesunde Kind bekam eine Pizza und dann – zurück durch die Tunnels nach Magnolia – äh, Moneglia, wo der Papa das arme kranke Kind, das sich inzwischen in einen Blumenkübel erleichtert hatte, den ganzen Weg am Strand entlang auf den Schultern schleppen mußte. So verbrachten wir den Rest des Nachmittags am Campingplatz. Unser Jüngster hatte inzwischen hohes Fieber, war aber nach einer unruhigen Nacht wieder völlig gesund. Auf dem Platz hatte es übrigens keinen Tropfen geregnet!

Hier also unsere wenigen Eindrücke von Riomaggiore:

 

 

 

 

 

Mi., 4.4.2012

Denn erstens kommt es anders und zweitens als man denkt… diese Weisheit war auch für den nächsten Tag zutreffend. Das Wetter war weiter schlecht gemeldet, deshalb wollten wir weiter in die Toskana – einen Eindruck von der Küste hatten wir ja jetzt und der reichte uns. Nun stellte sich aber heraus, dass der Tunnel ausgerechnet an diesem Vormittag wegen Renovierungsarbeiten gesperrt war – wir kamen erst nach dem Mittagessen weg und dann auch nur ein paar km weit. Denn unser Kind war zwar wieder gesund, aber dafür hatte unser Auto jetzt seine Mucken. Wir kamen kaum durch den Tunnel, es zog nicht, stank und machte schreckliche Geräusche – Schweißgebadet erreichten wir das Tunnelende und den nächsten Ort, Sestri Levante. Dort testeten wir erstmals den Service des ADAC im Ausland! Also ich muss sagen, der hielt, was er versprach! Wir wurden sofort liebevoll telefonisch betreut, nach dreimaligem Erklären des Problems waren wir auch schon an der richtigen Stelle und man nahm sich unseres Problems an, informierte eine Werkstatt und – drei Stunden später kam dann auch tatsächlich jemand. Die Wartezeit verbrachten wir bei strömendem Regen irgendwie zwischen Bangen und Hoffen, wurden dabei mindestens dreimal angerufen und informiert, dass es noch eine halbe Stunde dauert – das Problem war aber nicht der ADAC sondern die italienische Werkstatt, die erst kein Abschleppauto – das wir dann gar nicht brauchten und dann keinen Werkstattplatz frei hatte – aber wir wußten wenigstens immer, warum wir warten mussten.

Gegen 17 Uhr sprang ein lebhafter Italiener in unser Auto, vertrieb unseren Fahrer von seinem Sitz und fuhr unser stotterndes Auto mit Vollgas in die zwei Kilometer entfernte Werkstatt. Ich klammerte in Ermangelung eines Sitzes mit Gurt hinten irgendwie fest und hatte Mitleid mit unserem armen Womo – trotzdem fühlte ich mich sooo gut aufgehoben, diese Tatkraft, dieses Temperament! Gerettet!

In der Werkstatt beugten sich dann auch gleich vier Mechaniker über unseren Motor und ich hatte weiterhin dieses gute Gefühl – die verstehen was davon, auch wenn wir nichts verstehen… denn deutsch oder Englisch spricht hier keiner, höchstens ein paar Brocken Französisch – wir auch, aber andere! Aber wie das so ist, das Notwendige versteht man immer irgendwie und wir waren – wieder etwa eine Stunde später und nach einer weiteren halsbrecherischen Probefahrt ohne jede Vorsichtsmaßnahme für mich arme sitzlose Person wenigstens so klug, dass wir wußten, dass heute nichts mehr für uns getan werden konnte. Wir sollten am nächsten Nachmittag um 16 Uhr wiederkommen und dann würde das Ersatzteil eingebaut. Der Mechaniker hatte irgendein Kabel abgetrennt und nun fuhr das Wohnmobil plötzlich wieder ganz normal – aber das Ersatzteil  musste trotzdem her, das war so nur vorübergehend möglich.

Also durften wir eine zusätzliche Übernachtung auf einem ruhigen Parkplatz genießen.

Do., 5.4.2012

Am nächsten Tag  kauften wir erst mal im örtlichen COOP richtig ausgiebig ein für die kommenden Ostertage und verbrachten dann noch ein paar ruhige Stunden auf dem Parkplatz – Als wir dann um 16 Uhr vorfuhren wurde das Teil tatsächlich sofort eingebaut und um 17 Uhr befanden wir uns dann endlich – wie schon am Vortag geplant auf der Autobahn nach Lucca. Die Dame vom ADAC übersetzte uns am Telefon im Nachhinein dann noch, was eigentlich kaputt gewesen war – wir staunten nicht schlecht, war dieses Teil doch nun schon zum dritten Mal kaputt gegangen! Vielleicht hält ja das italienische jetzt endlich mal!

Wir erreichten Lucca nun ohne weitere Zwischenfälle und fanden auch den großen, super ausgestatteten Stellplatz in Fußentfernung zur Altstadt. Die Kinder lernten schon nach wenigen Minuten wieder andere Kinder kennen und so waren die unerfreulichen Stunden schnell vergessen.

Fr., 6.4.2012

Lucca, eine der vielen sehenswerten Städte in der Toskana, zog uns  nun magisch an – als Kind war ich hier schon mal, aber konnte mich kaum mehr erinnern – nur an eins, an diesen Turm mit den Bäumen drauf – da war ich schon mal gewesen, das hatte mich als Kind sehr fasziniert, dass da oben drauf Bäume wuchsen –

oben stellte sich das Ganze als ein kleiner Garten heraus:

Auch wegen des Ausblicks auf die Stadt hat sich der Aufstieg gelohnt – hier ein paar Eindrücke:

Nicht besonders gut zu erkennen auf diesem Bild: Der Campo di Amphitheatro, eine der Hauptsehenswürdigkeiten von Lucca
Dieser Platz ist an der Stelle eines alten Amphitheaters entstanden, deshalb der Name und seine besondere ovale Form. Auf dem Platz selbst sieht es so aus: (Leider habe ich kein so starkes Weitwinkel, dass ich ihn in seiner Gesamtheit hätte fotographieren können).

 

Ein schöner Platz mit vielen kleinen Andenkengeschäften und Cafés.
In Lucca gibt es 99 Kirchen! Keine Angst, wir haben sie nicht alle besucht, das hätten wir schon alleine den Kindern nicht antun können. Aber im Dom waren wir natürlich und noch in zwei anderen Kirchen.
Der Dom von Lucca: San Martino
Die Fassade: Du kannst das Bild durch anklicken vergrößern, dann sieht man gut, dass jede der Säulen anders aussieht.
Leider habe ich innen wohl keine Fotos gemacht, obwohl er schön war.
Nur von außen schön: San Frediano
Das schillernde Mosaik noch mal groß:
San Michele in Foro:
Auch hier wieder die schöne Fassade, sogar noch säulenreicher als der Dom:
Das alte Lucca ist noch komplett von einer intakten 12 m hohen Stadtmauer umschlossen. Mehr wie ein Damm oder Deich wirkt sie, wenn man auf ihr spaziert. Man kann Lucca in 4km auf ihr umrunden, auch mit dem Rad. Überall in Lucca gibt es Fahrrad-Verleihe und auch so eine Art Raddroschke für Vier haben wir gesehen.

 

Wir sind noch durch die vielen engen Gassen spaziert, ein bißchen hat mich Lucca an Venedig erinnert, natürlich ohne Kanäle.
Und dann gab es noch eine nette Anektode am Rande, die uns aber mindestens eine halbe Stunde beschäftigt hat: Wir saßen auf einer Stufe auf dem Domplatz und aßen – ausnahmsweise  mal statt Pizza – Döner zu Mittag, da rief unser Jüngster plötzlich: „Oh, was habe ich denn da angerichtet!“ und starte zu Boden. Als ich sah, was er meinte musste ich erst mal lachen: Ein kleines Stücken Dönerbeilage war zu Boden gefallen und war von einer großen Herde winzig kleiner Ameisen entdeckt worden, die aufgeregt durcheinander wuselten:

 

Sie waren aus einer Fuge zwischen den Treppenstufen gekommen und wir konnten nun in aller Ruhe beobachten, wie die Tiere das Teil irgendwie in gemeinschaftlicher Arbeit dorthin zogen und tatsächlich in ihren Bau hinein zu holen versuchten.
Das war echt spannend, ein kleines Naturerlebnis, mitten in der Stadt!
Sa., 8.4.2012
Schönes Wetter war vorhergesagt und die Männerfraktion wollte wieder ans Meer! Tja, war wohl schon ein bißchen viel Kultur gewesen gestern, aber ich mag es ja auch, das Meer! Wir fuhren also nach Cucina, dort gab es einen halbwegs ordentlichen Strand mit dunklem Sand und einen sehr schönen Küsten-Pinienwald und wenn das Wetter nicht so windig gewesen wäre, wärs richtig schön gewesen.
So., 9.4.2012

Morgens wurden Ostereier gesucht, die alle ganz besonders gut versteckt waren – so gut es im Wohnmobil halt möglich ist. Danach gingen die Männer noch mal zum Strand, ich sparte mir das um mal ein bißchen zu mir zu kommen… dann, nach dem Mittagessen wollten wir nach Volterra aufbrechen, das liegt ca. 30 km im Landesinneren. Obwohl es in dieser Richtung noch viel wolkiger aussah, fuhren wir los, denn auch hier an der Küste begann es nun zu regnen…

Wie schön Volterra, das mittelalterliche Städtchen liegt, kann man auf dem folgenden Foto etwas ahnen – mitten in der schönsten Toskana-Landschaft auf einem Tuffhügel wurde es schon lange vor Chr. gegründet. Es ist vollständig mittelalterlich erhalten, samt Stadtmauer und wirklich einen Besuch wert!
Zuerst fuhren wir den örtlichen Campingplatz an, nach unserem Womo-Führer vielleicht der schönstgelegene in der Toskana. Ist vielleicht schon etwas veraltet, die Angabe, denn das meiste vom tollen Blick ist inzwischen zugewachsen, aber da es ja noch früh im Jahr ist, kann man durch die Bäume noch den Blick auf die Stadt genießen:
An diesem Nachmittag machen wir noch einen Spaziergang rund um den Platz, der sich am Rand einer „Le Balze“ genannten Steilhangzone befindet und deshalb auch „Le Balze“ heißt. Hier von weitem – er liegt zwischen den Bäumen direkt vor der Kirche.
Das Gegenfoto von oben: Blick zu einem alten Kloster:
Auch auf die Stadt kann man hier toll gucken:
Auch die alte Kirche hinter dem Platz nehmen wir noch genauer unter die Lupe – man kann zwar nicht rein, aber den riesigen alten Bau zu umrunden ist auch schon interessant:
Ein Spielplatz für die Kinder findet sich auch noch und so sind alle glücklich.
Mo., 10.4.2012
Heute ist das Wetter wieder schön und wir machen uns auf zur Stadtbesichtigung.
Vorm Stadttor
Die engen Gassen im Inneren wirken teilweise etwas düster – passend dazu erinnern wir uns daran, dass hier ja auch einige Szenen der berühmten Twilight-Trilogie gedreht wurden – die im Buch vorkommende Vampirfamilie der Volturi wohnt hier nämlich. Plötzlich sehen wir überall verkleidete Vampire – echt jetzt! Die Filmleute hatten es hier bestimmt nicht schwer, Vampir-Statisten zu finden.
Auf dem Hauptplatz des Ortes, der Piazza dei Priori findet zur Freude der Kinder gerade ein mittelalterliches Spektakel statt, dem wir eine Weile zusehen.
Die größte Sehenswürdigkeit auf dem Platz: Der Palazzo dei Priori, das älteste Rathaus der Toskana (frühes 13. Jh.)
Aber der ganze Platz ist sehenswert:
Wir bummeln noch weiter durch die Gassen und nehmen die obligatorische Pizza und das ebenso obligatorische Nachtischeis für die Kinder zu uns. Nicht nur in der Hauptgeschäftsstraße ist hier ganz schön was los:
Am Rand der Altstadt stoßen wir auf das Fortezza Medicea, eine alte Burg aus dem 15. Jh., die heute das sicherste Gefängnis Italiens ist – ich möchte mir gar nicht vorstellen, was da hinter den dicken Mauern alles so „einsitzt“.
Aber wenigstens haben sie hier einen schönen Ausblick auf einen Park, der an diesem schönen Tag sehr gut besucht ist: einen tollen Spielplatz finden wir hier auch.
Zurück im Gassengewirr finden wir die Alabasterwerkstatt Rossi, wo man dem Meister bei der Arbeit zusehen darf:
Alabaster, kristallisiertes Kalziumsulfat wird im Umkreis von 30 km hier um Volterra bis heute gefördert und vorallem für Dekorations- und Einrichtungsgegenstände verwendet. Es ist weicher als Marmor und z.T. milchig bis durchscheinend. Wir finden hier auch ein schönes Mitbringsel für unsere Frau Katzenfütterin daheim.
Auch die Römer haben schon ihre Spuren in Volterra hinterlassen, hier das Römische Theater, dessen Reste so toll von oben einsehbar sind, dass wir – als Trierer mit sowas sowieso gesättigt – eine nähere Besichtigung nicht für nötig halten.
Noch ein paar letzte Bilder von den Ausblicken, dann ist der Tag in Volterra, der sehr schön war, ausgiebig genug gewürdigt worden:
halt, nein, an dem Tag  habe ich noch einen wunderschönen Abendspaziergang zum alten Kloster hinunter gemacht und war noch lange, fast bis zum Sonnenuntergang draußen gesessen, der Blick hier war bei diesem Wetter so überwältigend schön!
Di, 11.4.2012
Am nächsten Tag ging es gleich ganz ähnlich weiter, ein weiteres mittelalterliches Städtchen, das ganz in der Nähe liegt, San Gimignano, war nun an der Reihe. Im Reiseführer steht: die besterhaltene mittelalterliche Stadt der Toskana. Wir fuhren auf direktem Weg nach dem Frühstück dort hin und wollten zuallererst mal einkaufen – was sich gleich als Problem erwies, da der örtliche Supermarkt für Wohnmobile nicht anfahrbar war – man wurde sofort vertrieben. Sowas hatten wir bisher noch nie erlebt, bisher war es nie ein Problem, auf Supermarkt-Parkplätzen zu parken, zum Einkaufen, wohlgemerkt! Aber so mußten wir uns fügen und den etwas vor der Stadt gelegenen großen Wohnmobilstellplatz ansteuern, gleichzeitig auch die einzige Parkmöglichkeit für Camping Cars, auch wenn man nicht übernachten und nur die Stadt besichtigen will! Ein kleiner Zubringerbus fährt mindestens halbstündlich die 2 km hinauf und wieder hinunter, das ist im Preis inbegriffen.
Der Platz hat in der Mitte ein großes Fußballfeld, so wurde gleich der Ball ausgepackt und die Jungs waren erst mal beschäftigt. Wäschewaschen und Duschen war auch möglich und nach einem Mittagsimbiss machten wir uns dann auf ins Städtchen.
Stadttor San Gimignano
Mittelalterliche Gasse
Der zentrale Platz: Piazza de la Cisterna
grenzt an den Platz: der Dom
Leider konnte man keine Bilder vom Inneren des Doms machen und auch im Netz finde ich nichts aussagekräftiges über diesen Dom. Deshalb ein paar Worte: es war die erste Kirche, die auf unserer Reise Eintritt kostete und sobald man sie betritt weiß man auch, warum. Die Wände sind lückenlos mit fast unversehrt erhaltenen Fresken bemalt. Auf der einen Seite des Hauptschiffes Szenen aus dem alten, auf der anderen aus dem neuen Testament. Sehr, sehr sehenswert! Am besten Hinfahren und selbst anschauen!
Das Besondere an San Gimignano, das, was ihm seinen unverwechselbaren Charakter verleiht, sind die vielen, bis zu 50 m hohen Türme: Es sind sogenannte Geschlechtertürme, sie wurden im Mittelalter von herrschenden Familien der Stadt erbaut, die miteinander im Clinch lagen und sich einen Wettstreit um das höchste und prestigeträchtigste Gebäude der Stadt lieferten. Nur das Rathaus durfte nicht überragt werden – gottseidank möchte man meinen. Aber diesen Streitigkeiten verdankt der heutige Tourist wirklich einen außergewöhnlichen Eindruck:
Bild von mir: bester Überblick innerhalb der Stadt
Bild aus dem Netz: diesen Ausblick hatten wir leider nicht gefunden
Auch San Gimignano liegt leicht erhöht, so dass sich immer wieder sehr schöne Ausblicke auf die umliegende Toskana-Landschaft bieten, leider war es schon wieder bedeckt, so dass die Bilder nicht so schön sind, man kann sie aber anklicken, dann gewinnen sie etwas an Aussagekraft:
Aus San Gimignano gibt es auch noch eine nette Geschichte am Rande zu erzählen. Als wir auf den Wohnmobilstellplatz fuhren, suchten wir uns einen Platz aus, der Platz ist groß, es gibt rund um das Fußballfeld vielleicht 50 Stellplätze. Etwas später meinte mein Mann: Schaut mal, neben wem wir stehen! Tatsächlich, wir standen genau neben einem Wohnmobil, das einer Familie mit drei Kindern gehörte, die wir bereits in Lucca getroffen hatten. Ihr ältester Sohn und unser Großer hatten sich super verstanden und der Abschied war schwer gefallen. Das war eine Wiedersehensfreude, als die Familie dann auch kurze Zeit später von der Stadtbesichtigung zurück kam! Schöner Zufall – wenn es einer war, ich glaub ja nicht an Zufälle!
Mi, 12.4.2012
Abends hatte es begonnen zu regnen und es hörte auch den ganzen nächsten Tag nicht mehr auf. Die Kinder hatten komischerweise noch den Wunsch geäußert, mal einen ganzen Tag im Wohnmobil verbringen zu können, den bekamen sie nun prompt erfüllt. Wir fuhren an dem Tag nur weiter nach Siena, dem letzten Ziel unserer Rundreise. Dort fanden wir auch schnell den städtischen Campingplatz, etwas außerhalb, aber mit dem Bus gut an die Stadt angebunden. Es gewitterte, regnete und hagelte sogar fast den ganzen Nachmittag, so konnten wir erst am nächsten Tag in die Stadt fahren.
Do., 13.4.2012
Siena gehört sicher zu den Highlights der Toskana, es gibt hier vor allem zwei herausragende Sehenswürdigkeiten: die Piazza del Campo, Italiens berühmtester mittelalterlicher Platz, kurz „Il Campo“ genannt und den Dom.
1. Il Campo
Dieser Platz ist schwierig auf Bildern wieder zu geben, man muss ihn in seiner Gesamtheit sehen und die Atmosphäre hautnah erleben… dennoch hier einige Eindrücke:
Der Palazzo Publico, das städtische Rathaus mit dem Torre del Mangia, dem schlanken, 102 m hohen Glockenturm.
Das Zentrum des muschelförmigen Platzes
Auch wir saßen hier ein paar Stunden rum und ließen den Platz auf uns wirken, aßen die beste Pizza des Urlaubs auf die Hand, die Kinder jagten Tauben, ein Riesenspaß für beide, der Kleine steckte den Großen damit an – dann ging es weiter zum
Dom!
Der Dom, da fehlen mir fast die Worte! Ich war bereits das dritte Mal in Siena und damit auch im Dom, aber erst dieses Mal konnte ich ihn richtig würdigen… das erste Mal war ich noch zu klein und das zweite Mal auf einer Interrail-Tour durch Italien mit meinem damaligen Freund, war Siena nur ein Ziel von unzähligen und ging dadurch wohl in meiner Erinnerung unter…
Schon die 2007 restaurierte Fassade ist ein Augenschmaus, der einige Zeit dauert, wenn man jede Einzelheit erfassen will:
Auch im Inneren gehen einem die Augen über – jeder Winkel des Gotteshauses ist über und über verziert, so reich und so detailreich, dass man wirklich geblendet ist – und dazu der unverwechselbare toskanische „Zebralook“, endlich habe ich mal schöne Fotos auch von innen:
Die besonders schöne Kanzel aus Marmor von Nicola Pisano (1268)
Blick in die sternenübersäte Hauptkuppel
Die Häupter aller Päpste zwischen 384 und 946 n. Chr. schauen von überall her auf einen herab
Der Altar mit der Apsis
Die „Madonna der Wünsche“ in einer Seitenkapelle
 Leider zum größten Teil abgeklebt war der komplett bebilderte und dafür berühmte Domboden – zum Heulen schade! Vielleicht die größte Besonderheit und Sehenswürdigkeit dieses Domes, durch die Gesamtheit! Aber bei der Vielzahl der Besucher ist diese Maßnahme wohl notwendig…
Nach der Dombesichtigung gab es noch ein Eis – das beste der ganzen Reise natürlich – und einen Espresso für mich – auch der beste bisher… Siena war eben das Highlight in jeder Beziehung zum Schluss!
Fr., 14.4.2012
An diesem Tag haben wir uns bereits auf die Heimfahrt gemacht, aber nur, um am Luganer See noch einen Tag Pause in den Bergen einzulegen. Wir kamen prima durch und erreichten gegen Abend den schönen Campingplatz am italienischen Ende des Sees…
Unser Stellplatz direkt am See
„Unser Blick“
Unser Tierfreund in Aktion: Loswerden alter Weißbrotreste
Sa., 15.4.2012
Der letzte Urlaubstag. Zum Abschluss machten wir noch mal eine längere Wanderung, vom Campingplatz aus zu einem kleineren See, weiter oben im Tal.
Das war eine schöne Wanderung, mit Tieren…
… alten Gemäuern
und verwunschenen Wegen…
…auch wenn es am Schluss ganz schön geschüttet hat und die Wanderfreude vorallem der Kinder doch spürbar nachlies…
so fiel uns der Abschied nicht so schwer und wir fuhren am nächsten Tag, dem Sonntag endgültig nach Hause.
„Man reist ja nicht, um anzukommen, sondern um zu reisen“ (J.W. v. Goethe)

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